kleine Fluchten aus dem Alltag...

Weerribben Wieden

Auf einem Mittwoch am späten Nachmittag erreichen wir unseren Standplatz für die nächsten Tage auf dem Campingplatz Muggenbeet bei Blockzijl in Overijssel/Holland. Die Zeltwiese ist völlig leer, so haben wir die freie Auswahl und stellen in aller Ruhe unser Lavvu auf. Von hier aus wollen wir Ausflüge in die nähere Umgebung starten und je nach Wetter auch eine kleine Kanutour machen. Am Abend unternehme ich noch einen kleinen Fotoausflug nach Urk am Ijsselmeer, welches nicht weit entfernt ist.


Am Donnerstagmorgen ist es sehr windig, so dass es für uns nicht viel Sinn ergibt mit dem Kanu loszufahren. Wir beschließen den Tag am Ijsselmeer zu verbringen. So fahren wir zunächst nach Hindeloopen und bummeln ein wenig durch den beschaulichen Ort. Dann folgen wir der Küste nach Stavoren, wo wir uns mit Kibbeling stärken bevor wir noch einen kleinen Spaziergang in Lemmer machen.






Freitagmorgen sieht das Wetter besser aus, einer Kanutour steht nichts im Wege. Der Campingplatz verfügt über einen eigenen kleinen Hafen, wo wir den Kanadier bequem zu Wasser lassen können. Über einen kurzen Stichkanal gelangen wir zur Hauptgracht, in welche wir links einbiegen. Schon nach kurzer Fahrt setzt Regen ein. Wir ziehen die Regenjacken über und paddeln weiter. Nur sehr wenige Motorboote sind unterwegs, die meisten Leute werden wohl noch auf der Arbeit sein. Unter einer Hubbrücke ist neben dem Hubteil noch eine weitere Durchfahrt, wo wir uns mit dem Boot unterstellen und den Regenschauer abwarten.


Nach einer Weile lässt der Regen nach und die Sonne kommt raus. So paddeln wir gemütlich bei nun bestem Wetter durch die Gemeinde Wetering. An den Ufern stehen wunderschöne Häuser mit kleinen Einfahrten zu den Bootshäusern auf den Grundstücken. So gibt es immer was zu schauen. Es scheint als ringen die Gärten um die Gunst der ihnen unbekannten Betrachter. Einer ist schöner wie der Andere. Nach einiger Zeit passieren wir den Campingplatz De Turftente, welcher sich wohl auch gut als Basislager anbieten würde. Mal schauen, vielleicht bei unserem nächsten Besuch.


Kurz hinter dem Campingplatz macht der Kanal eine scharfe Linkskurve. Dabei umkurft er einen kleinen See auf der Innenseite. Unter eine kleine Hubbrücke für den Fahrradweg hindurch, welcher hier am Kanal entlangführt, fahren wir in den spiegelglatten See. Gleich auf der rechten Seite gibt es einen kleinen Anleger, wo wir eine kurze Rast einlegen.


Anschließend geht es weiter, der ruhige See zeichnet wunderschön unser Bild. Glucksend beschwert sich das Wasser unter dem Boot über diese Störung und auch uns tut es fast Leid diese schöne, glatte Wasseroberfläche zu durchbrechen. Aber es ist einfach zu herrlich, mit dem Kanu fast lautlos über den See zu gleiten. Am anderen Ende des Sees führt ein kleiner Kanal parallel zur Hauptgracht entlang. Diesem folgen wir nun. Ein Blick zurück zeigt, dass der See unsere freche Überquerung schon fast wieder vergessen hat und dabei ist, auch die letzten Spuren unserer Anwesenheit zu verwischen. In dem kleinen Kanal zeigt sich nun eine ganz andere Landschaft. An beiden Ufern ist der Bewuchs dicht und hochgewachsen. Auf der Wasseroberfläche säumen Seerosen wie Fahrbahnmarkierungen den Weg. Eine Vielzahl an Insekten tanzt von Blüte zu Blüte und um uns herum. Viel zu schnell ist dieses Teilstück wieder vorbei und nach dem unterqueren einer kleinen weißen Brücke treffen wir wieder auf den Hauptkanal. An der nächsten Rechtskurve wollten wir eigentlich geradeaus in einen kleineren Nebenarm abbiegen, entscheiden uns aber dafür zuerst auf der Gracht weiter in den Ort Kalenberg zu paddeln. Kurz vor der Hubbrücke im Ort legen wir an einem Lokal an und machen eine weitere Pause. Laut meiner Mitpaddlerin ist der Kaffee hervorragend und die dazugehörigen Kekse sehr schmackhaft. Es ist sehr angenehm auf der Terrasse des Lokals direkt am Wasser zu sitzen, der Kanadier am Anleger vertäut und man schaut den Motorbooten beim Vorbeifahren zu. Die kalte Cola vor mir auf dem Tisch tut ihr übriges zu meinem Wohlbefinden.


Aber auch die schönste Pause hat mal ein Ende und wir entern wieder unser Kanu um die Fahrt fortzusetzen. Wir paddeln zurück zum Ortseingang und nehmen nun den geplanten Abzweig in den kleineren Nebenarm. Eine niedrige Brücke verwehrt Motorbooten den Zugang und so sind wir wieder ganz für uns alleine auf dem Wasser unterwegs.


Das tänzelnde Licht der Sonne lässt den Kanadier wie goldenen Honig auf dem Wasser erscheinen und die kleinen Wellen spielen munter mit ihren Schatten auf dem Bootsinneren. Ein beruhigender, entspannender Anblick, welchen ich gerne nachhänge. Der zunächst noch dichte Bewuchs geht am rechten Flussufer in dichtes Schilf in sattem Grün über. Nach einer Weile kommt auf der linken Seite wieder ein Kanuanleger. Am Ufer steht ein Turm zur Vogelbeobachtung. Ich nutze natürlich die Gelegenheit und lasse den Blick schweifen. Zu meinem tiefen Bedauern lässt sich jedoch niemanden beim vögeln beobachten…egal, dann paddeln wir eben weiter. Nach einer Weile geht es wieder durch bewohntes Gebiet, links und rechts stehen eine Handvoll Häuser, dann sind wir wieder alleine in der Natur unterwegs.


Der Bewuchs wird flacher und wir bekommen kräftigen Wind von schräg vorn. Wir passieren einen kleinen See und nach der Unterquerung einer Landstraße beschließen wir den Rückweg abzukürzen und somit einen See zu umgehen bzw. auszulassen. Wir wissen das auf der nun folgenden Strecke drei Umtragestellen kommen, jedoch sind wir dafür Windgeschützt unterwegs. Nach einer Weile stoßen wir wieder auf die Hauptgracht an der wir gestartet sind und nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Campingplatz.


Dort ist inzwischen ein weiterer Gast eingetroffen. Auf dem ersten Blick habe ich angenommen, dass er aus Versehen die Verpackung anstatt dem Zelt aufgebaut hat. Ich habe selten ein solches kleines Zelt gesehen…